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Wie läuft eigentlich eine Dopingkontrolle ab ?

Bremen, 10.01.2009. Eines vorweg, bei den Six Days in Bremen hat es noch nie einen Dopingfall gegeben. Das liegt wohl auch an den strengen Kontrollen des Radsportweltverbandes UCI. Aber wie läuft eine Dopingkontrolle eigentlich ab? Was genau passiert da im Hinterzimmer zwischen Halle 1 und dem Übergang zum Maritim Hotel? Für eine fiktive Dopingkontrolle lädt mich der ranghöchste deutsche Doping-Kommissär Alexander Donike ein und erklärt den genauen Ablauf. Sobald er den Fahrer über die bevorstehende Dopingkontrolle informiert hat, darf dieser sich nur noch im Sichtfeld des Kontrolleurs bewegen und muss sich umgehend zur Urinabgabe im Wartebereich vor dem Kontrollzimmer einfinden.
 
 Der Sportler ist dazu berechtigt, eine Vertrauensperson mit zur Kontrolle zu nehmen. Bei minderjährigen ist das sogar vorgeschrieben. Zunächst werden die Personalien des Sportlers anhand des Personalausweises festgestellt. Dann sucht sich der Fahrer einen Plastikbecher aus, der jeweils einzeln in einer Plastiktüte steril verschlossen ist. Er kann dabei aus mehreren gleichen Bechern wählen. Becher und Deckel sind in der Tüte getrennt von einander. Nach dem Öffnen sollte nur der Fahrer selbst mit dem Becher in Berührung kommen. Vorher darf er sich seine Hände gründlich mit Wasser waschen, Seife ist nicht erlaubt. Nun wird der Fahrer zur Urinabgabe gebeten und muss sich vom Bauch bis zu den Knien, sowie Handgelenk und Ellenbogen freimachen. Die Urinabgabe in den Plastikbecher erfolgt unter Sichtkontrolle des Kontrolleurs der immer das gleiche Geschlecht wie der Proband haben muss. Mindestens 95ml Urin sind nötig, um die Probe durchzuführen. Nach der Urinabgabe kann sich der Athlet aus verschiedenen Kontrollsets ein Paket aussuchen. Es beinhaltet jeweils zwei Glasflaschen mit einer Prüfnummer, die für jede Flasche nur einmal vergeben wird. Der Verschluss liegt lose auf und ist durch einen roten Sicherheitsring von der Flasche getrennt. Ist die Flasche erst einmal verschlossen, kann sie nicht mehr ohne Beschädigungen geöffnet werden. Jetzt wird der Inhalt der Urinprobe auf die beiden Flaschen verteilt. Die Flasche mit der roten Kontrollnummer ist die sogenannte A-Probe. In dieses Fläschchen füllt der Fahrer jetzt 2/3 der Menge also 60ml ein, weitere 30 ml sind für die B-Probe vorgesehen, die durch eine blaue Kontrollnummer gekennzeichnet ist. Der verbleibende Rest im Becher dient dem Kontrolleur dazu, den pH-Wert und die Dichte des Urins zu testen. Ist der Urin zu dünn, muss eine erneute Abgabe erfolgen. Die Probenfläschchen mit dem Urin werden anschließend von dem Sportler selbst verschlossen. Danach werden sie zum Transport in eine Styroporverpackung, einem sogenannten BEREG-Kit gelegt und mit einem blauen Siegelband gesichert. Auf einem Protokollbogen wird die gesamte Dopingkontrolle protokolliert. Hier muss der Fahrer auch detailliert angeben, welche Medikamente er zu sich nimmt und kann auch Bemerkungen zur Durchführung der Dopingkontrolle hinzufügen. Mit seiner Unterschrift bestätigt er die Richtigkeit seiner Angaben und dass die Kontrolle korrekt ausgeführt wurde. Damit ist er entlassen. Die abgegebenen Proben werden anschließend in ein Doping-Kontrolllabor geschickt, wo zunächst die A-Probe ausgewertet wird. Stellt sich heraus, dass die A-Probe positiv ist, wird der Sportler darüber informiert und kann bei der Analyse der B-Probe dabei sein. Erst wenn die B-Probe mit den Ergebnissen der A-Probe übereinstimmt, gilt die Probe als positiv. Bei einem negativen Ergebnis der Dopingkontrolle erhält der Fahrer keine Benachrichtigung.

Siehe Diashow für weitere Fotos:

Ablauf einer Dopingkontrolle

Bild 1 von 16

Wartebereich vor der Doping Kontrolle.

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