USA Teil 1: Startreffen in Los Angeles

Mit einem sanften Ruckeln setzte die Lufthansa Boing 747 auf dem Rollfeld von Los Angeles auf. Zwei Sitzreihen vor mir erblickte ich Joe Jackson, Vater des am 25.06.2009 verstorbenen King of Pop Michael Jackson. Er war in Deutschland um “Business” – also Geschäfte – zu machen, erzählte er mir. Was genau für Deals das waren, verriet er nicht.

Joe Jackson, Vater von Michael Jackson. copyright firstclasspicture.com
Joe Jackson, Vater von Michael Jackson. copyright firstclasspicture.com

Vom Flughafen fuhr ich zunächst zu meiner Unterkunft. Ich hatte mir gezielt eine kleine Ferienwohnung in Beverly Hills ausgesucht, direkt am Ende bzw. am Anfang der Oak Pass Road. Hier wohnen unter anderem Mark Wahlberg und Demi Moore. Die Zufahrt ist mit einer Schranke gesichert. Meine Vermieter sind Deutsche, die schon lange in L.A. leben. Der Mann ist Architekt und seine Frau Marlen ein ehemaliges Model. Sohn Gregor, war einst Kinderstar und hatte seinerzeit auch bei Lassie mitgespielt. Irgendwann muss es dann passiert sein, was auch immer. Jedenfalls litt Gregor an einer manisch-depressiven Störung und benötigte eine rund um die Uhr Betreuung seiner Mutter.  Auf jeden Fall hielt diese Familie noch einige Überraschungen für mich bereit.

Meine Unterkunft in Beverly Hills. Direkt an der Einfahrt zur Oak Pass Road. Die Schranke öffnet sich mit einem Code den nur Anlieger besitzen. copyright firstclasspicture.com
Meine Unterkunft in Beverly Hills. Direkt an der Einfahrt zur Oak Pass Road. Die Schranke öffnet sich mit einem Code den nur Anlieger besitzen. copyright firstclasspicture.com

Wie schon bei meinen früheren Reisen nach L.A. ging ich am späten Nachmittag fast schon traditionell in die Saddle Ranch Bar am Sunset. Ich liebte den Laden, nicht nur wegen der verdammt guten Steaks, sondern vor allem wegen der Leute und dem Bullenreiten. Ja richtig gelesen. Mitten im Lokal stand ein mechanischer Bulle, der es in sich hatte. Das Publikum und ich natürlich auch, hatten sichtlich ihre Freude, wenn es jemand wagte, das Monstrum zu bezwingen. Bei Damen mit üppiger Oberweite machte der Bediener des Bullen gerne eine besondere Show daraus mit der Garantie, dass es diverse Busenblitzer zu sehen gibt. Die Stimmung war wie immer super und ich traf die eine oder andere Freundin der letzten Jahre wieder. Auch mein Freund Kevin, den alle nur als Jesus von Hollywood kennen, schaute vorbei. Kevin war ein richtiger Star in Hollywood. Er sah nicht nur exakt so aus wie man sich Jesus vorstellt, sondern war auch so gekleidet – was natürlich seine volle Absicht war. Auftritte in Musikvideos bekannter Rapper machten ihn berühmt und nahezu jeder Tourist am Hollywood Boulevard wird ein Foto mit ihm haben. Der Abend war wie immer viel zu schnell vorbei und was für uns völlig unvorstellbar ist, um 1.30 Uhr heißt es “last order”. Die letzte Gelegenheit, um noch ein Bier zu bestellen. Um zwei Uhr nachts ist dann Feierabend und die Bar schließt. Die meisten jungen Leute ziehen jetzt weiter auf sogenannte “home parties”. Als Tourist wird man aber eher selten in den Genuss solcher privaten Feiern kommen… es sei denn man kennt Leute, die einen mitnehmen.

Bullenreiten in der Saddle Ranch Bar am Sunset Boulevard. copyright firstclasspicture.com
Bullenreiten in der Saddle Ranch Bar am Sunset Boulevard. copyright firstclasspicture.com

Die Sperrstunde hat aber auch Vorteile. Man darf früher ins Bett und ist am nächsten Tag nicht völlig verschlafen. Für mich gilt das ganz besonders, da ich vor 12 Uhr normalerweise nicht ansprechbar bin. Mein Biorhythmus gleicht dem einer Eule – ich bin nachtaktiv. Während die anderen noch weiter durch die Nacht zogen, fuhr ich nach Hause. Am nächsten Tag musste ich für meine Verhältnisse früh raus.
Gegen 11 Uhr fuhr ich von meiner Wohnung am Highridge Place auf den Summitridge Drive und bog dann hinunter auf den San Ysidro Drive ab. Die Straße schlängelte sich eine gefühlte Ewigkeit hinunter durch die Hills. Auch Samuel L. Jackson hat hier sein Haus. Bei Hausnummer 1502 wohnte noch vor kurzem Heidi Klum mit Seal. Rund zweihundert Meter weiter unten standen zwei auffällige Jeeps und ein Toyota Prius. Die Wagen gehörten nicht dorthin. Im Vorbeifahren erkannte ich zumindest einen Fotografen im Auto sitzend. Ein Zeichen dafür, dass entweder Victoria oder David Beckham oder gar beide zu Hause sind. Das Haus der Beckhams lag in zweiter Reihe uneinsehbar von der Straße auf einer Anhöhe. Zum Haus führte eine lange Auffahrt, dessen Ende mit einem Tor direkt am San Ysidro Drive endete. Ich setzte meine Fahrt fort und fuhr über den Benedict Canyon Drive hinunter nach West Hollywood. Auf meiner morgendlichen Patrouillenfahrt standen zunächst die üblichen Cafés und Bakerys auf dem Programm. Zwischen 9 und 12 Uhr war die beste Zeit Promis anzutreffen. Auf der 3rd Street befanden sich zwei beliebte Lokalitäten: zum einen das Toast an der Ecke Harper Ave und das Joan’s on Third.

Beliebte Promi Cafés auf der W 3rd Street. Das Toast und das Joan´s on third. copyright firstclasspicture.com
Beliebte Promi Cafés auf der W 3rd Street. Das Toast und das Joan´s on third. copyright firstclasspicture.com

Beide Locations fielen negativ aus. Also fuhr ich hoch zur Melrose Ave, um beim Urth Café vorbeizuschauen. Ein schwarzer Escalade Jeep weckte meine Neugier. Er stand verbotswidrig in der Einfahrt zum Hinterhof, Die Tatsache, dass er abfahrbereit stand, verriet mir, dass jemand hier sein musste. Ich hatte gerade meinen Wagen gedreht, um nochmal langsam vorbei zu fahren. In dem Augenblick kam “Ironman” Robert Downey Jr. mit einem Kaffeebecher heraus. Ich stoppe mitten auf der Melrose Ave und schieße durch die Seitenscheibe die ersten Bilder.

Robert Downey Jr. holt sich einen Becher Kaffee im Urth Café auf der Melrose Ave. copyright firstclasspicture.com
Robert Downey Jr. holt sich einen Becher Kaffee im Urth Café auf der Melrose Ave. copyright firstclasspicture.com

“Verdammt”… ich war zu spät. Lediglich ein paar Schüsse waren brauchbar. Downey war bereits in den wartenden Escalade eingestiegen und sein Fahrer fuhr in entgegengesetzter Richtung davon. Ein U-Turn auf der Melrose war bei dem Verkehr zu riskant. Eine Verfolgung kam daher nicht in Frage. Ich versuchte mein Glück noch auf dem Robertson Blvd im Restaurant Ivys. Die Mittagszeit ist hier perfekt. Im Vorbeifahren entdeckte ich bereits eine auffällige Blondine, die ich mir doch mal näher anschauen wollte. Ich parkte auf der anderen Straßenseite und ging zunächst ohne Kamera am Restaurant vorbei. Hinter dem weißen Zaun waren alle Tische belegt und es herrschte reges Treiben. Bis auf Kim Zolciak (The real housewives of Atlanta), einer in Amerika bekannten Schauspielerin und Sängerin, war niemand Bekanntes dort.

Schauspielerin und Sängerin Kim Zolciak "Real housewives of Atlanta" sitzt im Restaurant Ivys. copyright firstclasspicture.com
Schauspielerin und Sänegrin Kim Zolciak “Real housewives of Atlanta” sitzt im Restaurant Ivys. copyright firstclasspicture.com

Mittlerweile war es Nachmittag und ich wollte noch zu Pavillions, einem großen Supermarkt, einkaufen. Vorher drehte ich noch eine Runde über den Sunset Blvd. Wieder war es ein auffälliger schwarzer Escalade Jeep, der mir ins Auge fiel. Er fuhr recht zügig und wechselte ständig die Spur. Ich beschloss dran zu bleiben, um beim Überholen vielleicht einen Blick in das Fahrzeug zu werfen. Dazu kam es nicht mehr. Der Wagen bog plötzlich nach rechts in eine Einfahrt ab, die zu einem Hinterhof führte. Meine Neugier ließ mir keine Ruhe und ich drehte um. Erst jetzt erkannte ich Rapper P. Diddy mit einem Begleiter. Ich griff die Kamera auf dem Beifahrersitz und fotografierte durch das geöffnete Fahrerfenster. Gleichzeitig musste ich die Spur halten und auf den Verkehr achten. Da ich aber wusste in welchen Laden sie gegangen waren, konnte ich mich auf die Lauer legen.

Rapper P. Diddy am Sunset Blvd in Los Angeles. copyright firstclasspicture.com
Rapper P. Diddy am Sunset Blvd in Los Angeles. copyright firstclasspicture.com

Nach rund 20 Minuten kam er wieder heraus und lief direkt auf mich zu… bog dann aber wieder in den Hinterhof ab, wo das Auto geparkt war. Ich machte noch ein paar Fotos, aber zufrieden war ich nicht. “Immerhin besser als gar nichts”, dachte ich und machte mich auf den Weg zum Supermarkt Pavillions, um einige Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen. Meine Kamera verstaute ich mit dem 70-200mm Objektiv in einer schwarzen Lederumhängetasche, die wie dafür gemacht war. Wer weiß, wer einem beim Einkauf so begegnet.

Rapper P. Diddy am Sunset Blvd in Los Angeles. Rechts: Wocheneinkauf bei Pavillions. copyright firstclasspicture.com
Rapper P. Diddy am Sunset Blvd in Los Angeles. Rechts: Wocheneinkauf bei Pavillions. copyright firstclasspicture.com

Der Einkauf verlief ohne Zwischenfälle, also ohne eine Promisichtung. Ich fuhr zurück nach Hause und verstaute meine Vorräte in der Küche. Am späten Nachmittag fuhr ich runter zum Rodeo Drive. Ich trank hier gelegentlich eine Tasse Tee und gutes Essen gab es auch. Ich hatte keine Lust, mir heute etwas zu kochen und außerdem hatte man dort auf der Außenterrasse einen guten Überblick über die Straße. Plötzlich wurde es hektisch, ein Pap auf dem Fahrrad fuhr aufgeregt wie ein Eichhörnchen die Straße auf und ab. Ein weiterer umkreiste mit seinem Auto die Blocks. Ein Zeichen dafür, das irgendjemand irgendwen gesehen hat. Mein Blick richtete sich auf ein Ristorante an der Ecke. Einer der Paps hatte sich auf der gegenüberliegenden Seite postiert. Er wusste also was. Mit meinem 70-200mm hatte ich das Lokal gut im Blick und im Sucher erschien plötzlich eine Frau im gestreiften Oberteil… sie war recht groß und hatte verdammte Ähnlichkeit mit Alessandra Ambrosio. Ich drückte den Auslöser und bemerkte, dass auch alle anderen Fotos schossen.

Alessandra Ambrosio am Rodeo Drive. copyright firstclasspicture.com
Alessandra Ambrosio am Rodeo Drive. copyright firstclasspicture.com

Ich legte Geld auf den Tisch und verschwand um ihr zu folgen. Am Brighton Way verschwand sie in einer Boutique für Kinderklamotten. Kurz darauf bildete sich eine Menschentraube aus Paps und Passanten um das Geschäft. Für Ambrosio war dieser Zustand normal und sie lachte in die Kameras, die sich an der Scheibe drängelten. Nach ein paar Minuten tauchte ein Typ im weißen T-Shirt auf, der die Anwesenden fragte, wer denn da drin sei. “Phoebe Price” gab einer der Paps aus Scherz als Antwort, um den nervigen Fragen auszuweichen. Kurze Anmerkung: “Phoebe Price” ist ein völlig unbedeutendes Society Girl in Amerika. Der Typ im weißen T-Shirt lachte und keiner bemerkte, das es Jamie Mazur war: Alessandra Ambrosio’s Mann. Er machte sich einen Spaß daraus, die Leute vorm Laden zum Narren zu halten bis er schließlich die Tür öffnete und hinein ging.

Jamie Mazur mit Paparazzi vor einer Boutique. copyright firstclasspicture.com
Jamie Mazur mit Paparazzi vor einer Boutique. copyright firstclasspicture.com

Alessandra und Jamie suchten diverse Kinderkleidung aus. Eine Freundin von Alessandra war als Beraterin dabei. Nach gut einer Stunde verließen sie den Laden und Alessandra setzte ihren Shoppingtag bei Hermès am Rodeo Drive fort. Sie verließ das Geschäft durch den Hinterausgang, wo wir alle schon auf sie warteten.

Alessandra Ambrosio kauft Kinderkleidung am Rodeo Drive. copyright firstclasspicture.com
Alessandra Ambrosio kauft KInderkleidung am Rodeo Drive. copyright firstclasspicture.com

Für heute hatte ich genug und ich fuhr nach Hause, um die Bilder des Tages zu sichten und zu versenden. Für morgen stand ein Heliflug nach Malibu auf meinem Plan.
Hier geht es weiter zu Teil 2: Los Angeles, die Villen der Stars…