Victoria

Model Victoria spricht mit ihrem Pferd am Strand. copyright firstclasspicture.com

Als Victoria mich anrief und fragte, ob ich sie mit ihrem Pferd fotografieren könnte, ahnte ich noch nicht auf was ich mich einließ. Wir trafen uns auf ihrem Reiterhof in Niedersachsen, um das Pferd auf einen Anhänger zu verladen. Ihr Pferd hatte aber zunächst andere Pläne und dachte gar nicht daran, den Anhänger zu besteigen. Erst als sie ihm eine Weile gut zuredete, bewegte es seine Hufen in den Pferdeanhänger. Wir fuhren zusammen in Kolonne die rund 40 Kilometer bis zur Shooting Location. Ich hatte mir im Vorfeld schon alles angeschaut und auch den Sonnenstand soweit berechnet, dass wir mindestens zwei Stunden im voraus waren, bis das Licht so stand wie ich es gern hätte. Die Fahrt verlief ohne Probleme. Bei unserer Ankunft waren noch Badegäste am Ufer der Weser, die ich ungern im Bild hätte. Um zu verhindern, dass noch weitere Leute zum Sonnenuntergang am Strand auftauchten, holte ich aus dem Auto eine Rolle „Polizeiabsperrung“ wie sie auch von der Spurensicherung verwendet wird um Tatorte abzusperren. Das Flatterband spannte ich zwischen die Pfosten am Zugang zum Strand. Das Obrigkeitsverhalten der Deutschen kam mir recht und die ersten Passanten drehten an der Absperrung brav um. Victoria gewöhnte ihr Pferd bereits behutsam an die neue, ungewohnte Umgebung während ich mein Equipment auf einer Plane ausbreitete. Es schien alles nach Plan zu verlaufen. Die Sonne senkte sich langsam und wir übten zunächst im Sand die ersten Laufrichtungen und Geschwindigkeiten. Nun lag es an Victoria ihr Pferd an das Wasser zu gewöhnen. Zunächst lief sie mit ihm im seichten Wasser auf und ab, dann immer tiefer bis wir den Wasserstand ungefähr knietief auf Pferdehöhe hatten. Ihr Pferd vertraute ihr und alles war für das Shooting bereit. In der Ferne sah ich aber schon das Unheil auf uns zu kommen. Wir hatten vielleicht noch zehn Minuten… unaufhaltsam nährte sich der stählerne Koloss auf uns zu. Das Pferd richtete seine Ohren auf und spürte bereits die Schwingungen der Dieselmotoren, die durch das Wasser übertragen wurden über seine Hufen.  Es drehte seinen Kopf in die Richtung des Schiffes und bewegte sich langsam rückwärts aus dem Wasser heraus. Es war ihm nicht geheuer was da auf dem Wasser angeschwommen kommt. Mittlerweile hatte der Kohlefrachter den Strandabschnitt erreicht. Das schallende Pochen der Dieselmaschinen war für das Pferd ein gänzlich unbekanntes Geräusch. Victorias Pferd scheute und dachte gar nicht daran noch einmal ins Wasser zurückzukehren.

Model Victoria gewöhnt ihr Pferd an das Wasser. copyright firstclasspicture.com

Alles war bis ins Detail von mir geplant nur den Schiffsverkehr auf der Weser hatte ich nicht bedacht. Es wurde zunehmend kühler und das Licht wurde spürbar dunkler. Als das Schiff außer Hörweite war, führte Victoria ihr Pferd noch einmal zum Wasser. Zunächst gingen sie immer wieder auf und ab die ersten Schritte am Strand entlang. Dann langsam immer weiter in die seichten Wellen hinein. Es klappte. Unvermittelt gab sie mir ein Zeichen und ritt los. Ich griff meine Kamera und war bereit. Wir hatten noch gut zehn bis fünfzehn Minuten brauchbares Tageslicht. Alles hing jetzt von Pferd und Reiter ab. Victoria führte ihr Pferd wie zuvor besprochen und wir konnten noch einige Motive schießen bis die Sonne hinter dem Deich auf der anderen Seite verschwand.

 

 



 

 

 

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