Tom Cruise

Schießerei mit Tom Cruise

Es war ein sonniger Novembertag als der Privatjet von Tom Cruise gegen 13.20 Uhr in Salzburg aufsetze. Zwei schwarze Mercedes Limousinen warteten bereits auf ihn und seine Begleiter.
Sichtlich gut gelaunt stieg er die kleine Treppe seines Jets hinab und begrüßte zunächst das österreichische Bodenpersonal mit Handschlag. Anschließend wandte er sich den wartenden Fans auf der Besucherterrasse des Flughafens zu und winkte in die Kameras bevor er in das erste Fahrzeug stieg und zum Hotel gefahren wurde.

Tom Cruise landet mit einem Privatjet in Saluburh und begrüßt zunächst den Ramp Agent und winkt zur Besucherterrasse. copyright firstclasspicture.com
Tom Cruise landet mit einem Privatjet in Salzburg und begrüßt zunächst den Ramp Agent und winkt zur Besucherterrasse. copyright firstclasspicture.com

 

Tom Cruise nach der Landung in Salzburg. Zwei Mercedes Limousinen warten udn bringen ihn und seine Begleiter ins Hotel. copyright firstclasspicture.com
Tom Cruise nach der Landung in Salzburg. Zwei Mercedes Limousinen warten und bringen ihn und seine Begleiter ins Hotel. copyright firstclasspicture.com

Das noble Hotel Mönchstein lag oben auf einem Berg neben einem Kloster, gut abgeschottet von der Außenwelt und das einzige Hotel dort. Die Zufahrt war ausschließlich Hotelgästen und Anliegern gestattet. Um aber möglichst nah an Tom Cruise heranzukommen, mietete ich mich direkt nebenan in dem Pallotiner Kloster ein. Überhaupt war ich zum ersten Mal in einem Kloster. Die Mönche waren über Gäste in ihrem Haus sichtlich erfreut. Über die lokale Presse erfuhr ich wo die Dreharbeiten genau stattfinden. Eine Szene sollte mitten in der Innenstadt von Salzburg gedreht werden: am sogenannten Platzl. Beide Darsteller, sowohl Tom Cruise als auch Cameron Diaz sollten laut Drehbuch anwesend sein.

Die Kunst bestand nun darin sich Zugang zum abgesperrten Innenstadtbereich zu verschaffen, um irgendwie in das Filmset hineinzukommen. Ich beschloss den Drehort zuvor auszukundschaften, um ein Bild der Möglichkeiten zu bekommen unbemerkt ins Set zu gelangen. Die Innenstadt von Salzburg war am Nachmittag noch belebt. Die Geschäfte hatten geöffnet und nur einige LKWs der Produktionsfirma und einige Absperrgitter deuteten darauf hin, dass hier heute Nacht eine Hollywoodfilmszene gedreht werden sollte. In einem kleinen Café direkt am Platzl kam ich mit einer Frau ins Gespräch. Sie erzählte, dass ein Bekannter von ihr seine Wohnung direkt gegenüber unter dem Dach hätte. Einen Anruf später und der besagte Wohnungsbesitzer stand vor mir. Ein großer Typ in einer olivgrünen Jacke, mindestens 1,90m, dunkle Haare. „Hallo ich bin Markus“, sagte er. Ich erwiederte: „Hallo, ich bin auch Marcus“. Einige Kaffeetassen später zeigte er mir seine Wohnung. Die Lage war absolut perfekt. Über eine Feuertreppe gelangte man auf das große Flachdach des Gebäudes. Von hier konnte man über die Dächer fast jedes Haus erreichen. Ich hatte einen fantastischen Blick auf die Salzach und die Stadt.

Blick über Salzburg. copyright firstclasspicture.com
Blick über Salzburg. copyright firstclasspicture.com

Wir einigten uns auf einen Preis und so stand ich kurz vor Geschäftsschluss an seiner Tür. Die Filmcrew hatte bereits einige Requisiten aufgebaut und an der Hauptstraße wurden große Sichtschutzzäune aufgerichtet. Von jetzt an kamen nur Wohnungsinhaber mit Personalausweis in den abgesperrten Bereich.

Paparazzi versuchen über den Sichtschutzzaun Bilder zu machen. Rechts: direkt unter mir befindet sich das Filmset. copyright firstclasspicture.com
Paparazzi versuchen über den Sichtschutzzaun Bilder zu machen. Rechts: direkt unter mir befindet sich das Filmset. copyright firstclasspicture.com

Ich konnte es kaum glauben: direkt unter meinem Fenster hatte Regisseur James Mangold seinen Platz eingerichtet. Mit dem 500er Tele war es mir möglich bequem das aufgeklappte Drehbuch zu fotografieren.

Regisseur James Mangold beim Essen während der Dreharbeiten. Rechts: direkter Blick auf das Skript der Regieassistenz. copyright firstclasspicture.com
Regisseur James Mangold beim Essen während der Dreharbeiten. Rechts: direkter Blick auf das Skript der Regieassistenz. copyright firstclasspicture.com

Ich konnte mich quasi fotografisch direkt dazu setzen. Aber ich musste vorsichtig sein, denn die Crew hat Erfahrung mit Fotografen, die sich irgendwo verstecken. Ein Team von vier Leuten war permanent damit beschäftigt, die Fenster abzuleuchten um zu sehen, ob irgendwo irgendjemand Fotos vom Set macht. Hatten sie jemanden entdeckt, wurde gnadenlos mit einem Laserpointer in die Linse geblendet. Eine höchst fragwürdige und vor allem äußerst gefährliche Methode. Bei einem großen Teleobjektiv, kann das Auge des Fotografen für immer erblinden. Ganz oben unter dem Dach hatten sie mich allerdings nicht im Visier. Der Platz war zu perfekt um von unten eingesehen zu werden. Für die erste Nachtszene hatte das Filmteam die Straße mit einem Wasserwagen bewässert. Der Grund hierfür ist simpel: auf dem nassen Boden reflektiert das Blaulicht der Polizeifahrzeuge besser und die Szene sieht dramatischer aus. Die Arbeit hätten sie sich aber auch sparen können, denn kurz darauf setzte Nieselregen ein. Helfer mussten die Filmautos mit Planen abdecken, damit diese nicht nass werden. Schließlich waren einige Bilder schon im Kasten und zu diesem Zeitpunkt waren die Autos noch trocken. Folglich konnte in der folgenden Szene das Auto nicht plötzlich nass sein.

Für die Szene werden die Polizeiautos mit Planen abgedeckt um vom Nieselregen nicht nass zu werden. copyright firstclasspicture.com
Für die Szene werden die Polizeiautos mit Planen abgedeckt um vom Nieselregen nicht nass zu werden. copyright firstclasspicture.com

Um die Ankunft von Tom Cruise und Cameron Diaz am Set nicht zu verpassen, hatte ich eine kleine Webcam auf die Zufahrt gerichtet und konnte so genau verfolgen, wann die Fahrer mit den Limousinen am Set eintreffen würden. Um 1:50 Uhr wurde es hektisch. Eine Minute später bogen die beiden schwarzen Mercedes Limousinen in die Sicherheitszone ein.

Die Bilder der Webcam zeigen das Einfahren der Limousinen von Cameron Diaz und Tom Cruise. copyright firstclasspicture.com
Die Bilder der Webcam zeigen das Einfahren der Limousinen von Cameron Diaz und Tom Cruise. copyright firstclasspicture.com

Von nun an galt höchste Vorsicht, um nicht entdeckt zu werden. Im ersten Auto befand sich Cameron Diaz. Sie wurde umgehend zu einem der aufgebauten Zelte gebracht. Dann folgte Tom Cruise, geschützt von seinem Bodyguard und einem persönlichen Regenschirmträger, der nicht von seiner Seite wich.

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Tom Cruise am Set begleitet von seinem persönlichen Regenschirmträger. Links unten: Set Fotograf. copyright firstclasspicture.com

 

Tom Cruise im Gespräch mit Regisseur james Mangold. copyright firstclasspicture.com
Tom Cruise im Gespräch mit Regisseur james Mangold. copyright firstclasspicture.com

Nach einem kurzen Gespräch mit Regisseur James Mangold, blickte Tom noch kurz auf sein Blackberry. Er stand so günstig, dass ich ohne Probleme mit der Linse einen Blick in sein Adressbuch hätte werfen können. Kurz darauf folgte eine ganze Armee an Dienstleistern. Die erste Dame entfernte die Fussel auf seiner Jacke, eine weitere war dafür zuständig, dass der Kragen ordentlich saß (wie bei Mama) und eine dritte brachte ihre Buntstifte mit und malte nochmal seine Lippen nach.

Tom Cruise tippt auf seinem Blackberry. copyright firstclasspicture.com
Tom Cruise tippt auf seinem Blackberry. copyright firstclasspicture.com

Dann wird es still am Set. Von Tom und Camie keine Spur mehr. Mein Sichtfeld ist aufgrund der Lage der Wohnung etwas eingeschränkt. Ich habe lediglich Blick auf den Platzl und die Fußgängerzone gegenüber. Das ganze macht mich nervös. „Wo sind die alle hin?“ Plötzlich höre ich das Dröhnen eines Helikopters direkt über mir. Ich renne zur Feuerleiter und steige so schnell ich kann die Sprossen der Leiter hinauf… auf das flache Dach, der kalten Novembernacht entgegen. Der Heli fliegt so tief über den Dächern, dass ich sofort neben einem Schornstein Deckung suche. Ein greller Suchscheinwerfer leuchtet die Dächer ab. Hinter dem Schornstein bin ich gut getarnt. Lediglich der Schatten des steinernden Schlotes unterbricht den Lichtkegel des Scheinwerfers. In unmittelbarer Nähe höre ich Gepolter als ob jemand über Dächer rennen würde… dann Schüsse… wieder das Poltern auf dem Kupferdach. Erst jetzt begreife ich den Ernst der Lage: ich bin mitten drin in einer Hollywoodszene.

Ein Helicopter mit Spezialeinsatzkommando der Polizei leuchtet mit einem Suchscheinwerfer die Dächer ab. copyright firstclasspicture.com
Ein Helicopter mit Spezialeinsatzkommando der Polizei leuchtet mit einem Suchscheinwerfer die Dächer ab. copyright firstclasspicture.com

Dann ist es wieder still. Aus der Ferne schallen Stimmen herüber. Ich wage ein paar Schritte aus meiner Deckung und schleiche in gebückter Haltung vorsichtig über das Dach zur anderen Seite. Noch bevor ich über die Dachkante schauen kann, vibriert das Blech unter mir und in meinem Augenwinkel steigt der Heli wieder auf… wie aus dem nichts. Ich hatte das Monstrum nicht einmal gehört. Verdammt, ich habe keine Deckung. „Flach liegen bleiben und nicht bewegen“, rede ich mir ein. Erneut höre ich das Poltern von Schritten über den Dächern. Ich blicke auf und wenige Meter neben mir steht Tom Cruise zusammen mit zwei weiteren Personen. Der eine sein Schirmträger, den ich unten schon gesehen hatte. Der andere sieht ihm sehr ähnlich. Wahrscheinlich sein Double. Sie schauen sich das Dach genau an. Mein Herz schlägt bis zum Hals.

Tom Cruise über den Dächern von Salzburg. copyright firstclasspicture.com
Tom Cruise über den Dächern von Salzburg. copyright firstclasspicture.com

Ein Blick in meine Richtung und sie hätten mich auf dem Dach liegen sehen. Zu meinem Glück verschwinden sie wieder und ich habe Gelegenheit, mir eine neue Position zu suchen. Ich weiß jetzt ungefähr wo die nächste Szene stattfinden wird. Auf dem Dach gibt es nicht viele Versteckmöglichkeiten. Ich hangele mich an einem Blitzableiter entlang, der auf dem Dach verlegt ist und kann mich so im Dunkeln einigermaßen orientieren, um nicht vom Dach zu stürzen. An einem Lüftungsschacht finde ich ein gutes Versteck. Auf dem senkrecht aus dem Dach steigenden Rohr befindet sich eine Art Deckel auf vier Stahlhalterungen. Ich kann perfekt zwischen Rohr und Deckel hindurch schießen. Viel Zeit bleibt mir nicht zum Überlegen. Ich habe mich grade häuslich eingerichtet als über der Dachkante plötzlich der Rotorkranz des Helis aufsteigt. Dann das unverkennbare Dröhnen des Motors der die ruhige Nacht durchbricht. Ich höre förmlich wie die Rotorblätter die Luft in Fetzen schneiden. Schüsse fallen. Und wieder ist das Poltern über den Dächern zu hören. Als wenn das Drehbuch für mich geschrieben wäre, taucht unvermittelt Tom Cruise exakt im besten Sichtfeld meiner Kamera auf. Er tut mir sogar den Gefallen aus dem Stehen zu schießen, so dass ich keine Probleme mit Bewegungsunschärfe habe. Eine ganze Batterie an Schüssen feuert er in die schwarze Nacht. Ich habe meine Kamera auf höchste ISO Zahl eingerichtet und kann bei Blende 1:2.8 mit einer tausendstel Sekunde belichten. Ich  kann so das Abfliegen der leeren Patronenhülse und den Rauch am Pistolenlaufende festhalten. Um kein weiteres Risiko einzugehen, beschließe ich, nach der Szene das Dach zu verlassen. Ich habe das Bild, was ich mir gewünscht hatte.

Szene aus dem Film "Knight & Day". Tom Cruise schießt mit einer Pistole über den Dächern von Salzburg. copyright firstclasspicture.com
Szene aus dem Film „Knight & Day“. Tom Cruise schießt mit einer Pistole über den Dächern von Salzburg.
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