Jenny Elvers

Als die ehemalige Heidekönigin Jenny Elvers-Elbertzhagen am 17. September 2012 in der NDR Sendung DAS von der Moderatorin Bettina Tietjen in einem völlig desolaten, betrunkenen Zustand vorgeführt wird, beginnt für Jenny ein dunkles Kapitel. Warum der Sender damals nicht eingriff bleibt unklar. Für Jenny wird dieser Auftritt wie ein Stigma an ihr haften bleiben. Für immer. Ihr damaliger Ehemann und Manager Götz Elbertzhagen reagiert sofort und bringt sie zwei Tage später in einer Entzugsklinik unter. Erst jetzt wird deutlich wie lange Jenny Elvers schon ein Alkoholproblem hatte, dass es sogar in Promikreisen ein offenes Geheimnis ist und dass ihr offensichtlich niemand Hilfe angeboten hatte.

copyright firstclasspicture.com
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Nach der Sendung bleibt Jenny noch in Hamburg und betrinkt sich weiter. Sie verpasst sogar den Flug zurück nach Köln. Götz Elbertzhagen ist wütend. Er droht mit Scheidung, wenn sie den nächsten Flug auch noch verpasst, schreibt später die Zeitschrift Gala. Für die Medien war der Fall Jenny Elvers ein gefundenes Fressen. Die Nachfrage an aktuellem “Jenny-Material” war immens. Keiner wusste wo sie sich nach dem NDR-Debakel aufhielt und in welche Klinik Götz sie gebracht hatte. Mein Telefon stand nicht mehr still. Zeitschriftenredakteure fragten: “Kannst du heraus finden wo Jenny ist. Wir hätten gern Bilder.”
Goran und ich machen uns auf die Suche. Zunächst halten wir es für nicht besonders schwer Jenny zu finden. Schließlich brauchen wir nur ihrem Mann Götz folgen, wenn er sie in der Klinik besucht. Unsere Observation beginnt in Rheinbach, dort wo Jenny mit ihrem Mann Götz am Waldrand wohnt. Unser Hotel liegt nur 50 Meter entfernt. Mit zwei Fahrzeugen positionieren wir uns und halten Kontakt über unser amerikanisches Funkgerät um nicht abgehört zu werden. Dann gegen 9.30 Uhr meldet sich Goran “Zielperson mit Jaguar in deine Richtung unterwegs!”. Wenige Minuten später kommt Götz an meinem Posten vorbei. Ich nehme die Verfolgung auf. Die Fahrt geht Richtung Köln und endet an seiner Agentur Kick Management. Am Mittag geht er mit zwei Männern, vermutlich seine Mitarbeiter, und Jenny’s Hund in der Nähe spazieren. Gegen 17.30 Uhr melde ich an Goran “Fahrzeug fährt jetzt von der Agentur weg.” Goran übernimmt die Verfolgung. Es geht wieder zurück Richtung Rheinbach, 
aber nicht nach Hause. Am Ortseingang biegt er in einem Kreisverkehr rechts ab und parkt vor einem Fitnessstudio. Mit einem Handtuch über der Schulter verschwindet er in der Muckibude. Während der Wartezeit hole ich für uns gesunde Döner. Unser erstes Essen heute. Nach dem Training fährt Götz direkt nach Hause. Gegen 1 Uhr brechen wir die Observation ab.

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Der nächste Tag verläuft ähnlich unspektakulär. Auch der Tag darauf unterscheidet sich lediglich dahingehend, dass Götz dieses mal mit Jenny’s Sohn und dem Hund spazieren geht. Sonst passiert nichts. Eine eintönige und anstrengende Woche vergeht und wir haben noch immer keine Ahnung wo Jenny sich aufhält. “Warum besucht er sie nicht?” Um bei der Observation nicht aufzufallen, müssen wir regelmäßig unsere Fahrzeuge wechseln. Die Kosten für die Mietwagen und Übernachtungen im Hotel schlagen langsam zu Buche. Auf lange Sicht würde sich das finanziell nicht rechnen. Doch dann kommt Bewegung in die Sache. Es ist der 29. September 2012. Der Geburtstag von Götz Elbertzhagen. Aber nicht nur wir haben das Datum auf dem Schirm.
Ein schwarzer Ford S-Max mit Siegburger Kennzeichen, also jemand aus der lokalen Umgebung, erregt meine Aufmerksamkeit. Er stellt sich direkt mit Sichtachse zu Jennys Anwesen auf. Da ich mit Goran per Funk verbunden bin, kann ich strategisch gut versteckt stehen ohne Sicht auf das Haus haben zu müssen. Ich beobachte den Neuankömmling und funke durch “Pass auf wir sind nicht allein. Schwarzer Ford S-Max Kennzeichen SU…. mit einem Pärchen gerade angekommen.” Das Paparazzi-Pärchen parkt äußerst auffällig. Mittig auf einer recht schmalen Nebenstraße zur Hauptstraße, die am Ende mit einem kleinen Graben eine Sackgasse bildet. Wenn also Götz losfahren würde, könnten sie die Sackgasse nur in eine Richtung verlassen. Mit Profis hatten wir es schon mal nicht zu tun. Wir mussten unsere Konkurrenten irgendwie ausschalten. Schließlich geht es hier um Exklusivfotos. Von der Autovermietung hatte ich einen Jeep Grand Cherokee bekommen, der jetzt genau richtig war. Mein Fahrzeug passte gerade so auf die kleine Nebenstraße, wo unsere Mitbewerber standen. Der Plan war simpel. Sobald Goran meldet, dass Götz losfährt, fahre ich den Jeep vor und blockiere die Ausfahrt der Nebenstraße. Unser Vorteil ist der Überraschungseffekt. Die Konkurrenz weiß nicht, dass wir da sind. Kurz darauf meldet Goran die Ausfahrt von Elbertzhagen. Ich fahre los, biege in die kleine Nebenstraße ein und bleibe stehen. Das Paparazzi-Pärchen fährt auf mich zu und beide erkennen jetzt, dass sie in der Falle sitzen. An mir kommen sie nicht vorbei. Jetzt fährt der Fahrer plötzlich rückwärts. “Was hat der vor?”, frage ich mich. Während er zurücksetzt, fährt Götz an uns vorbei. Goran ist hinten dran und folgt ihm. Plötzlich sackt der Ford S-Max nach hinten ab. “Ups, der Typ ist in den Graben am Ende der Seitenstraße gefahren”, gebe ich durch. Ohne ADAC Abschlepper kriegt er sein Auto da nicht mehr raus. Ich lege den Rückwärtsgang ein und nehme ebenfalls die Verfolgung auf. Im Vorbeifahren sehe ich das Pärchen bedröppelt vor dem Auto stehen. Die haben wir schon mal ausgeschaltet. Jetzt müssen wir an Götz dran bleiben. Goran funkt mir permanent den aktuellen Standort durch. Doch dann stimmt etwas nicht. Nach einigen Kilometern meldet er ein ungewöhnliches Fahrverhalten unserer Zielperson. Götz scheint gewarnt worden zu sein. Er versucht Goran abzuhängen. Dann macht er einen unerwarteten U-Turn und fährt die Strecke zurück. “Ich schlage vor, dass du abbrichst. Ich bin auf deiner Strecke. Er müsste mir also gleich entgegen kommen”, gebe ich über Funk weiter. Und tatsächlich: eine Minute später rauscht Götz mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei. Ich gebe nur bedingt Gas, um durch schnelles Beschleunigen nicht in seinen Fokus zu geraten und halte ihn in der Entfernung im Auge. An einem Bahnübergang muss ich dann Vollgas geben. Götz schafft es noch über die Gleise. Bei mir sind die Schranken fast unten. “Verdammte Scheiße!” An dieser Stelle müssen wir abbrechen. Ein heftiger Rückschlag, wobei alles so gut angefangen hatte. Niedergeschlagen suchten wir noch eine halbe Stunde die Umgebung ab und kehrten dann zurück ins Hotel. Das wäre die Chance gewesen, auf die wir gewartet hatten.

Eichhörnchen. copyright firstclasspicture.com

Eine Woche später starteten wir eine neue Observation. Die ersten Tage verliefen unspektakulär. Götz ging seinem geregelten Tagesablauf nach, fuhr in die Agentur, dann zum Training und wieder nach Hause. Zwischendurch ging er mit Jenny’s Sohn Paul und dem Hund Emma spazieren. Während ich auf meiner Position wartete, fiel mir auf, dass ich beobachtet werde. Ich gab meine Erkenntnis sogleich an Goran weiter. “Werde beobachtet. Es ist braun, hat einen buschigen Schwanz und vergräbt Nüsse.” Gelächter am anderen Ende. Unseren Humor haben wir noch nicht verloren und so nutze ich die Gelegenheit das possierliche Eichhörnchen zu fotografieren wie es mich mit seinen Kulleraugen neugierig anschaut. Am 11. Oktober nimmt Götz anstelle seines Jaguar den Porsche Cayenne von Jenny. Ein gutes Zeichen. Jede Veränderung ist ein gutes Zeichen. Ich folge ihm. Er fährt zunächst eine Adresse in Rheinbach an und kurz darauf durch den Ort in Richtung Autobahn A61. Wir wittern unsere neue Chance. Götz fährt die A61 Richtung Süden, dann bei Koblenz auf die A48 und in Montabaur auf die A3 weiter gen Süden in Richtung Frankfurt. Vielleicht fährt er zum Flughafen, aber das würde wenig Sinn ergeben, denn Köln /Bonn läge viel näher. Wir folgen weiter in großem Abstand. An Frankfurt vorbei geht es weiter über Aschaffenburg und Würzburg bis Nürnberg. Die Dunkelheit setzt ein und wir müssen den Abstand verringern, um bei den vielen Rücklichtern das richtige Auto im Auge zu behalten. “Wo um Himmels Willen will der hin?” Wir sind uns sicher: es geht zur Klink von Jenny. Bald würden wir das Rätsel lösen und endlich zum Abschuss kommen. Nach einer kurzen Rast fährt er weiter auf der A3 an Regensburg und Passau vorbei. Plötzlich sind wir kurz vor der Österreichischen Grenze. Götz passiert die Grenze und fährt weiter auf der Innkreis Autobahn A8. “Aha. Clever Herr Elbertzhagen. Du hast Jenny also in Österreich untergebracht”, denke ich laut. An der Ausfahrt 43 setzt er den Blinker. Es geht runter von der Autobahn auf eine Landstraße. Jetzt müssen wir hochkonzentriert sein. Es ist nur noch sehr wenig Verkehr und stockfinster. Die Fahrt endet schließlich auf einem dunklen Parkplatz. Wir bleiben in sicherer Entfernung und schalten die Scheinwerfer aus. Von einer Klinik weit und breit keine Spur. Nach einer viertel Stunde schleiche ich mich zu Fuß an den Parkplatz heran. Das Auto ist verlassen. Ich verschaffe mir einen Überblick und als ich zu Goran zurückkehre hat er bereits bei Google unseren Standort gecheckt. Wir sind im Robinson Club Ampflwang. Große Fragezeichen in unseren Gesichtern. “Verbringen die beiden etwa ihren Urlaub hier und Jenny ist gar nicht in einer Klinik?” Um es herauszufinden buchen wir über HRS ein Zimmer in dem Club. Nach dem Check-In sondieren wir zunächst die Clubanlage. Wir finden Götz mit einigen Frauen an der Bar. Aber Jenny entdecken wir nicht. Da er uns nicht kennt, gesellen wir uns ebenfalls an die Bar, um etwas zu lauschen. Zu unserer Verwunderung ist seine erwachsene Tochter mit ihrem Freund dabei. Alles hat den Anschein, dass er hier mit Freunden Urlaub macht, während sich Jenny in der Entzugsklinik befindet. Die Fotos verkaufen sich nur mittelmäßig, aber immerhin haben wir die Reisekosten wieder raus.

 

 

Mittlerweile sind fast vier Wochen vergangen und es gibt noch immer keine Fotos von Jenny aus der Klinik. Wir beschließen nochmals eine Woche auszusetzen und danach eine letzte Observationsphase zu beginnen. Es ist bereits November und so kalt, dass lange Wartezeiten im Auto nur mit laufendem Motor möglich sind, da unsere Mietwagen über keine Standheizung verfügen. Wir wechseln mehrmals die Überwachungspositionen um für Anwohner nicht auffällig zu werden.
Abschied aus der EntzungsklinikEndlich am Freitag den 2. November verlassen Götz und Jenny’s Sohn Paul die Villa in Rheinbach. Beide steigen in den Porsche und fahren Richtung Autobahn. Die Tatsache, dass dieses Mal der 12-jährige Paul dabei ist, macht Hoffnung. Bloß nicht auffallen. Jetzt gilt: absolute Konzentration und keine Fehler machen. Die Fahrt geht erneut über die Autobahn A61 in Richtung Süden. Weiter auf die A48 und dann wieder zur A3 Richtung Frankfurt. Während der Fahrt googele ich mögliche Kliniken, die im Bereich der Fahrtrichtung liegen. Unser Augenmerk fällt auf die Betty Ford Klinik in Bad Brückenau. Als er auf die A66 wechselt ist sicher: es geht zu Jenny nach Bad Brückenau. Bei Schlüchtern fährt er von der Autobahn ab. Wir liegen also richtig. Auf der Landstraße lassen wir uns weit zurück fallen. Das Ziel ist nahezu sicher und jetzt dürfen wir kein Risiko mehr eingehen. An einem Blumenladen hält er kurz an und kauft einen großen Blumenstrauß. Wenig später passieren wir das Ortsschild von Bad Brückenau. Wie vermutet parkt Götz den Porsche direkt am Eingang der Klinik. Ich greife mein 600er Tele und setzte mich in rund 200 Meter Entfernung auf eine Bank im Park vor der Klinik. Goran sucht sich ein Versteck in einem Gebüsch. Ab jetzt lasse ich den Haupteingang und den Porsche nicht mehr aus den Augen. Schon wenig später schleppt Götz einen großen Karton zum Auto und geht wieder zurück. “Wo verdammt noch mal ist Jenny?” Jetzt öffnet sich die Eingangstür. Ich erkenne Jenny. Götz folgt ihr, dahinter Sohn Paul. Meine Kamera rattert mit acht Bildern pro Sekunde. Jedoch gehen sie nicht zum Auto, sondern kommen direkt auf mich zu. Noch sind sie weit genug entfernt. Ich kann meine Position wechseln. Der Weg führt durch den Klinikpark über eine Hauptstraße zum Schlosspark. Beide laufen nebeneinander her. Ihre Körpersprache offenbart alles. Zwischen ihnen herrscht Eiszeit. Keinerlei Nähe. Da ist nur Schweigen. Keine Umarmung. Kein Anfassen. Nichts. Wenn mein Gefühl mich nicht gänzlich täuscht, ist ihre Ehe hier bereits zu Ende. Ich schieße noch eine Serie Fotos bis sie zurück zum Auto gehen. Kurz darauf fahren sie davon. Es geht zurück nach Rheinbach. 
Die Exklusivfotos fanden reißenden Absatz. Unsere Beharrlichkeit hatte sich gelohnt. 

 

 

 

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