Irland, Aran Islands. Ein Delfin begrüßt die Gäste

Die kleine Inselgruppe im Westen Irlands hielt einige Überraschungen für mich bereit. Im Hafen von Doolin beginnt das Abenteuer. Die Preise für eine Überfahrt mit der Fähre auf eine der Inseln verhandelt man besser. Auch wenn wir Deutschen dazu neigen, den Preis zu zahlen der ausgeschrieben ist. Hier sollte man mit den Anbietern verhandeln und so einen deutlich günstigeren Preis ausmachen. Kleiner Tipp: kurz vor Abfahrt der Fähre ist die Verhandlungsposition besser.

Aran Islands, Irland Copyright firstclasspicture.com
Mit dem Schiff von Doolin nach Inisheer. Aran Islands, Irland
copyright firstclasspicture.com

Die Aran Islands bestehen aus drei Inseln. Inishmore  (Inis Mór) ist mit rund 13 km länge und 3 km Breite die größte der Inseln. Davor liegen die Inishmaan (Inis Meáin) und die kleinste der Inseln Inisheer (Inis Oírr). Lange Zeit hatte die Elektrifizierung vor den Inseln halt gemacht. Seit 1975 gibt es aber auch hier elektrischen Strom. Mit der Fähre erreiche ich nach rund 40 Minuten den Anleger von Inisheer. Der kleine Hafen hält eine besondere Überraschung bereit. Noch bevor wir den Anleger erreichen, wird das alte Schiff von einem Hafenbewohner und seiner aus dem Wasser ragenden Flosse begleitet. Haie in Irland ? Wohl kaum. „Keine Sorge…“, beruhigt der Fährmann, „…das ist Sandy, ein wildlebender Delfin, der hier schon seit Jahren lebt.“ Sandy ist sehr zutraulich, kann aber auch böse werden, wenn man ihr zu nahe kommt.

Delfin Sandy, Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy, Aran Islands
copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy im Hafen von Inisheer (roter Kreis) Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy im Hafen von Inisheer, Aran Islands
copyright firstclasspicture.com

Der Delfin weckte sofort meine Neugier und ich wollte ihn unbedingt persönlich kennenlernen. Mir war nicht einmal bewusst, dass in Irland überhaupt Delfine leben. Ein kurzer Blick auf Google genügte und siehe da: in Irland leben sogar an verschiedenen Orten weitere Delfine.
Während die anderen Fährgäste sich auf der Insel verteilten und mit Kutschen oder VW Bussen abgeholt wurden, ging ich zu einer Treppe, die hinunter ins Hafenbecken führt. Eine junge Frau in kurzer Hose und nassem Kapuzenpulli stand bereits unten mit den Füßen im Wasser. Sie rief nach Sandy und tatsächlich: der Delfin reagierte und schwamm direkt auf sie zu. Die beiden kannten sich wohl schon länger und sie erzählte mir, dass sie seit Jahren einen engen Kontakt zu Sandy pflege. Der Delfin vertraut ihr und lässt sich sogar den Bauch streicheln. Dennoch ist Sandy ein wildlebender Delfin mit seinem eigenen Charakter und sollte mit Vorsicht und Respekt behandelt werden… sagt sie.

Delfin Sandy im Hafen von Inisheer (roter Kreis) Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy im Hafen von Inisheer, Aran Islands
copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy im Hafen von Inisheer (roter Kreis) Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Delfin Sandy im Hafen von Inisheer, Aran Islands
copyright firstclasspicture.com

Ich verabschiede mich von Sandy und steige die Treppe wieder hinauf. Oben an der Kaimauer wartet noch ein Kutscher auf Kundschaft. Sein Hund liegt gelangweilt auf dem Boden der Kutsche und seine treuen Augen blicken mich an.

Treuer Begleiter, der Hund eines Kutschers blickt mich müde an. Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Treuer Begleiter, der Hund eines Kutschers blickt mich müde an. Aran Islands
copyright firstclasspicture.com

Mein Weg führt aber zunächst vom Hafen in das kleine Fischerdorf, das mit seinen Booten noch heute so aussieht wie es vielleicht einst schon gewesen ist. Ich lausche der Unterhaltung zweier älterer Herren, die sich offensichtlich in einer alten Sprache unterhalten. Es ist kein Englisch. Hier spricht man noch die alt-irische Sprache: Das Gälische. Die Aran Islands liegen in der Gaeltacht-Region, wo die Hauptsprache eben noch gälisch ist. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein und das Hafenbild wird hoffentlich auch zukünftig so idyllisch bleiben.

Der Hafen von Inisheer, mit einem Sepiaeffekt auf dem Foto scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Der Hafen von Inisheer, mit einem Sepiaeffekt auf dem Foto scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Aran Islands
copyright firstclasspicture.com

Als Fotograf sehe ich die Welt mit anderen Augen. Überall entdecke ich kleine Details. Ich könnte stundenlang nur im Hafen fotografieren. Der Hunger treibt mich jedoch erst einmal in den nächsten Pub.

Irish Pub mit typischer Seafood Chowder, einer Art Suppeneintopf mit Meeresfrüchten, Kartoffen und mehr. Aran Islands. copyright firstclasspicture.com
Irish Pub mit typischer Seafood Chowder, einer Art Suppeneintopf mit Meeresfrüchten, Kartoffen und mehr. Aran Islands.
copyright firstclasspicture.com

Im Pub gibt es nicht nur Bier, sondern auch eine leckere, irische Spezialität, die ich mir auf keinen Fall entgehen lasse. Zur Stärkung bestelle ich mir Seafood Chowder, eine Art Suppeneintopf mit allerhand leckerer Merresfrüchte. (Ein Rezept dazu gibt es hier)
Die Inselbewohner leben zum großen Teil vom Tourismus. Wenige leben noch von der Tradition des Fischfangs. Besonders berühmt sind die Aran Islands für ihre Textilien. Der Aran Sweater, ein Wollpullover, wurde früher nur auf den Arans von Hand produziert. Seine Qualität ist weltweit gefragt. Heute gibt es auch maschinell gestrickte Sweater. Hier auf Inisheer findet man aber auch die von Hand gestrickten traditionellen, original Aran Sweater. Die kleinen Geschäfte sind liebevoll eingerichtet… kein Hauch von einem kitschigen Souvenirladen. Es ist gemütlich und warmherzig so wie die Iren es sind.
Mich zieht es jetzt hinaus aus dem Dorf in die Landschaft der Insel. Überall prägt ein geradliniger Fels das Inselbild. Wie mit einer überdimensionalen Säge geschnitten verlaufen die Felsspalten nahezu exakt parallel. Die Steinformation ähnelt sehr dem „Burren“ einer Felslandschaft im Nordwesten Irlands. Es überrascht also nicht, dass die Aran Islands die geologische Fortsetzung des Burren sind. Burren bedeutet übersetzt so viel wie „steiniger Ort“. An Steinen mangelt es hier auf der Insel übrigens nicht. Die Bauern bauten massive Steinmauern um ihre Felder, damit das Meer nicht die wenige, fruchtbare Erde raubt.

Faszinierende Felsstruktur, nahezu gradlinig wie präzise geschnitten. Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Faszinierende Felsstruktur, nahezu gradlinig wie präzise geschnitten. Aran Islands
copyright firstclasspicture.com
Aufeinander gesetzte Steine die zu Pyramiden aufgestapelt wurden findet man hier überall. Rechts, an der Fish Landing Station liegen noch die Netzte und Reusen der Fischer. copyright firstclasspicture.com
Aufeinander gesetzte Steine die zu Pyramiden aufgestapelt wurden findet man hier überall. Rechts, an der Fish Landing Station liegen noch die Netzte und Reusen der Fischer.
copyright firstclasspicture.com

Dort wo die Fischer ihre Netzte flicken und die Reusen säubern, bietet sich eine Kulisse wie in einem Film. Es sieht aus, als wäre alles für ein Filmset genauso hergerichtet worden. Ein alter, verrosteter Anker ragt zwischen wirr liegenden Seilen hervor, ein paar verschlissene Netzte runden das Bild ab.

Panorama copyright firstclasspicture.com
Panorama
copyright firstclasspicture.com

Auf meinem Weg zurück ins Dorf werde ich von einem Pony beäugt, welches sichtlich wachsam den Weg überblickt. Es wirkt irgendwie skurril in der Landschaft aus Felsmauern und Gras.

Ein Pony überwacht den Weg zurück ins Dorf. copyright firstclasspicture.com
Ein Pony überwacht den Weg zurück ins Dorf.
copyright firstclasspicture.com

Nachdem ich das Dorf durchquert und den Inselflughafen passiert habe, sehe ich schon die Ruine der mittelalterlichen Burg der O`Brians aus dem 14 Jahrhundert. Sie steht auf einem Hügel und ist von Resten eines Ringforts umgeben. Mein Ziel ist aber zunächst der alte Friedhof mit seiner im Erdboden verschluckten Kirche Teampall Caomhán. Schon jetzt kann ich in der Ferne die Grabsteine des Friedhofs sehen. Die steinernden Kreuze der Gräber ragen wie auf Golgatha auf einem Hügel gelegen in den Himmel. Dahinter liegt das offene Meer.

Friedhof auf dem Hügel. Aran Islands copyright firstclasspicture.com
Friedhof auf dem Hügel. Aran Islands
copyright firstclasspicture.com

Nun will ich aber wissen, was es mit der im Boden versunkenen Kirche auf sich hat. Ich betrete den Friedhof durch den Haupteingang. Ein schöner Ort um für immer zu ruhen. Das Meer rauscht und der Wind bläst eine leichte Brise. Inmitten der Gräber führt eine Steintreppe hinunter in ein rechteckiges Loch im Boden. Hier stehen die Überreste der Teampall Caomhán Kirche. Der Treibsand hatte die Kirche schon unter sich begraben bis man begann, die Überreste wieder auszugraben. Noch heute besteht der Brauch einer Wallfahrt am 13. Juli mit der Mission, die Kirche vom neuen Sand zu befreien, der sich gnadenlos nach und nach über die Mauerreste legt.

Die kleine Kirche im Erdloch auf dem Friedhof von Inisheer. Tampall Caomhán. Aran Islands. copyright firstclasspicture.com
Die kleine Kirche im Erdloch auf dem Friedhof von Inisheer. Teampall Caomhán. Aran Islands.
copyright firstclasspicture.com
Die kleine Kirche im Erdloch auf dem Friedhof von Inisheer. Tampall Caomhán. Aran Islands. copyright firstclasspicture.com
Die kleine Kirche im Erdloch auf dem Friedhof von Inisheer. Teampall Caomhán. Aran Islands.
copyright firstclasspicture.com

Wie gerne würde ich die gesamte Insel zu Fuß umrunden. Wie gerne würde ich die Nacht auf der Insel bleiben. Wie gerne hätte ich mehr Zeit. Allerdings geht bald die letzte Fähre zurück auf das Festland. Wer also Wert auf Details legt und sich wie ich ewig an allerlei Motiven aufhalten kann, der sollte einige Tage auf der Insel übernachten. Dies werde ich bei meinem nächsten Besuch sicher tun. Aber nun zum eigentlichen Ziel meiner Reise. Ich verrate nur soviel: ein Unglück, Vergänglichkeit und dennoch pure Schönheit.
Zur Auflösung geht es hier…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.