Der Taximord von Quakenbrück

Es war der 21. Oktober 2004 als ich gegen Mitternacht einen Anruf bekam und mir von einem Mord an einer Taxifahrerin in Quakenbrück berichtet wurde.

Rund eine Stunde später treffe ich am Tatort ein, Die Spurensicherung der Polizei ist bereits in vollem Gange. Auf einem befestigten Waldweg steht der schwarze Mercedes der Taxifahrerin. Die Scheinwerfer leuchten und der Motor läuft noch. Davor liegt ein Fahrrad auf der Straße. Das Fahrzeug ist zunächst nicht als Taxi zu erkennen, da es nicht die übliche beige Farbe hat und auch kein Taxischild auf dem Dach befestigt ist. Im Gebüsch liegt ein durch mehrere Messerstiche verletzter Junge. In einem See unweit des verlassenen Taxis findet die Polizei die Leiche der Fahrerin.

Es ist die 39-jährige Martina T. Die Polizei steht am Anfang ihrer Ermittlungen. Doch bald gibt es ein Phantombild aufgrund der Aussagen von Passanten. Ein Pärchen, das den letzten Fahrgast sehr gut beschreiben kann.

Eine Woche nach dem Mord wird die 39-jährige Taxifahrerin Martina T. unter großer Anteilnahme beerdigt. Als der Sarg aus der Kapelle getragen wird, folgt auch ihr Sohn. Ganz in schwarz mit einer Rose in der Hand. Sofort fällt mir die verblüffende Ähnlichkeit mit dem veröffentlichten Phantombild auf. Ich schieße eine Serie Fotos. Sofort nach der Beerdigung wird er festgenommen. Meine Einschätzung ist bestätigt.

Im zweiten Stock des Polizeipräsidiums sind die Fenster noch hell erleuchtet. Bis in die Nacht hinein wird der 20-jährige Sohn Alexander verhört. Vom Parkplatz aus kann ich das Verhör beobachten. Ich sehe den kahlen Kopf des jungen Mannes und zwei Kripobeamte, die ihn befragen. Gegen 1 Uhr bringen Beamte ihn in die Verwahrzellen des Gebäudes.

Irgendwann im Verlaufe des Verhörs hatte er den Beamten den Mord an seiner Mutter und auch den versuchten Mord an dem 13-jährigen Jungen gestanden. Im anschließenden Prozess kam die ganze tragische Wahrheit heraus: Von einer Telefonzelle aus hatte er das Taxi seiner Mutter unter dem Vorwand zu einem Freund zu wollen angerufen. Als sie den Weg am Rande des Waldes erreicht hatten, gab er vor, Magenprobleme zu haben. Beide stiegen aus und gingen in Richtung eines kleinen Sees. Hier stach er 19 mal auf seine Mutter ein. Dann kehrte er zum Taxi zurück. Er durchwühlte das Auto, um einen Raubmord vorzutäuschen. Dabei war er von dem 13-jährigen Radfahrer beobachtet worden. Er beschloss, auch ihn zu töten… verletzt ihn lebensgefährlich und flüchtet.

Das Tatmotiv: seine Mutter wollte nicht mehr zu seinen Gunsten aussagen, als es um die Unterschlagung von 760 Euro aus der Kasse des Dart-Vereins ging in dem sie beide Mitglied waren. Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Osnabrück verurteilte ihn später zu einer zehnjährigen Jugendhaft und ordnete zudem die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.