Das Sechstagerennen ist vorbei – es lebe das Sechstagerennen

Sechs rasante Tage liegen hinter Theo Reinhardt. Der 27-jährige Berliner gewinnt zum ersten Mal ein Sechstagerennen. Mit seinem erfahrenen Partner Kenny de Ketele (jetzt 12 Sechstagesiege, zweiter Sieg in Bremen) war er gut beraten. Vergangenes Jahr war das Glück nicht auf seiner Seite; er musste am Finaltag aufgrund einer Verletzung das Rennen abbrechen. Am Dienstagabend (16.01.18) stand er nun endlich ganz oben auf dem Podium.
Wie so oft war das Siegerteam gesponsort von der swb Bremen; kaum ein Sponsor hält dem Sechstagerennen so lange die Treue. Nachdem Dodenhof sich zurückgezogen hatte, nutze Michael Götz von Möbel Schulenburg die Gelegenheit, sein Unternehmen zu platzieren. Bremen hat noch immer das größte Sechstagerennen der Welt, allein das sollte zukünftige Werbepartner animieren. Dabei wird es immer schwieriger zahlungskräftige Partner zu finden. Das weiß auch Christian Stoll, alias „Stolli“, den ich unten in der VIP Loge treffe. Wir ziehen uns mit einem Bierchen auf die ehemalige Bühne zurück und ich frage ihn, wie er die Zukunft der Sixdays sieht. Immerhin war er rund zwei Jahrzehnte als Sixdays Sprecher in Bremen dabei und kennt das Geschäft von seinem Lehrmeister Frank Minder. Heute ist er Stadionsprecher im Weser Stadion und betreut das Berliner Sechstagerennen.
„Die Gesellschaft hat sich in den Jahren verändert, sagt er, alles ist schnelllebiger geworden. Früher gingen die Leute bis spät in die Nacht zu den Sixdays, heute müssen die meisten Besucher am nächsten Tag arbeiten. In Berlin hat man deswegen das Sechstagerennen zu einem „After Work-Event“ gemacht, wo die Zuschauer direkt nach der Arbeit in die Halle kommen und das Konzept geht auf“, sagt Stoll. „Aber auch die jahrelang funktionierenden Konzepte eines Sechstagerennens müssen sich der immer schnelleren Gesellschaft anpassen. Bremen hat es hier sehr gut gemacht, gibt Stoll zu: Abwechslung im Rennen durch die Sprinter, Frauen, U19, U23, Dernys etc. Vor allem den Fokus auch auf die Kinder zu richten und das Jedermann-Rennen seien genau richtig.“ Stolli erinnert sich an sein erstes Sechstagerennen mit zwölf Jahren, 1973 in Bremen. „Damals schon hatte mich das Radsportfieber gepackt“, sagt er. Wenn es auch als Fahrer nicht geklappt hat, so saß er von 1992 bis zum Ende der Ära Frank Minder im Jahr 2011 als Bahnsprecher am Mikrofon. Noch heute erinnert er sich an seinen ersten Tag als Sprecher, sogar an seinen ersten Satz und der ging komplett in die Hose. Aus dem Fahrer Roland Günther machte Stolli vor der ausverkauften Halle Ronald Günther. „Ich hätte im Boden versinken können“, sagt er heute. Dennoch war sein Sprecherplatz für die nächsten Jahre sicher und damit erhielt er die Eintrittskarte als Sprecher für die Rennen in Zürich, Berlin und Stuttgart sowie zu allem was er heute macht.
„Eines sonntags“, so erinnert er sich, „waren gerade Klaus & Klaus von der Bühne und das Rennen im vollen Gang als plötzlich der Strom ausfiel und damit nicht nur das Licht, sondern natürlich auch die Verstärker für sein Mikrofon. Keine Musik mehr, keine Durchsagen, es ging nichts mehr. Frank Minder stand unten bei Start und Ziel und brüllte in das berühmte alte schwarze Telefon, warum der Hallensprecher denn die Leute nicht beruhigt. Minder war auch ohne die Telefonverbindung nach oben zu hören“. Stolli schmunzelt und erzählt wie er mit einigen Fahrern nach dem Sechstagerennen in Bremen noch bis morgens um sechs in der Maritim Bar saß und sie dann direkt aus der Bar ins Taxi zum Flughafen fuhren, weil das Rennen in Stuttgart am Abend startete. Heute gibt es in Deutschland nur noch die Sixdays in Bremen und Berlin. Sein persönliches Highlight war der Moment als Sir Roger Moore mit ihm zusammen auf dem Podium stand. „Eine größere Ehre konnte man mir nicht erweisen“, sagt Stolli. Aber auch die anderen Stars wie Florence Griffith Joyner, Bud Spencer, Milva, die Klitschkos oder Dieter Bohlen waren Erlebnisse, die er nicht vergisst. Und dann sagt er: „Ich hatte in Bremen die schönste Zeit meines Lebens und mein Herz schlägt für Bremen. Ich wünsche den Veranstaltern weiter viel Erfolg und hoffe, dass wir noch viele Sechstagerennen in Bremen erleben werden!“.
 

Six Days Bremen 2018

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Frauenteam aus Russland beim Checken von Facebook und Instagram.

 

 

Fotos: Marcus Posthumus / Siegerfoto: ESN / Arne Mill

 

 

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